( 07.01.2013)

O.K., einer muss den Anfang machen. Ich bin männlich, Ende 50 und gehöre schon zum "Club der AS"
(alten Säcke).
Ich bin so zu sagen "Wiederholungstäter". Soll bedeuten, dass mich schon eine längere Leidensgeschichte mit mehrern Episoden plagt. Meine Wurzeln der quällenden Depressionen und Angstörungen  liegen in meinem beruflichen Werdegang begründet und hatten auch teilweise etwas mit  Mobbing zu tun. Deren Folge waren/sind teilweise noch z.B. plötzlich stark schwindendes Selbstvertrauen, Panikattacken, mit dem Verlust gewohnter alltäglicher Fähigkeiten, körperliche Beschwerden und ein totaler persönlicher Rückzug aus dem normalen Lebensalltag. In einem Satz, ich verstand mich nicht, somit die Welt um mich herum auch nicht mehr und bekam nichts mehr auf die Reihe.

Die Folge war eine erste stationäre Therapie vor 9 Jahren. Wer von Euch nun glaubt, dass dieser Schritt damals völlig aus eigenem Antrieb geschah, denkste! Trotz meiner totalen Blockade war ich der Meinung, dass ich "Kraft meiner Wassersuppe" alles wieder allein auf die Reihe bekommen werde, was natürlich real nicht so funktionierte. Wie sich vielleicht jeder vorstellen kann?

Ich hatte damals nur grosses Schwein, dass meine damaligen Arbeitgeber sehr sozial eingestellt waren, meine Situation wohl bemerkten und mir den notwendigen Anstoß zu dieser dringend notwendigen Behandlung gaben. Danach durfte ich auch in der Firma meine Arbeit wieder aufnehmen.

Was Du vielleicht auch erlebt haben wirst? Die unmittelbaren Angehörigen können mit deinem Krankheitsbild meist überhaupt nicht umgehen. So schlimm das auch immer ist, solltest Du Dir einmal selbst die ehrliche Frage stellen, worin an dieser Situation Dein Anteil liegt. Ich war damals meiner Familie gegenüber verschlossen wie eine Auster, was am Anfang der Therapie zu zusätzlichen Mißverständnissen und Unsicherheiten führte, böses Foul und sehr schlechte Startposition zur Linderung der Beschwerden.

Aus heutiger Position muss ich ehrlich sagen, nachdem dieser Balken aus dem Weg war und ich die zusätzliche moralische Stütze meiner Familie erfahren durfte, bin ich heute soweit, Euch von meiner Situation zu berichten. Leider habe ich auch damals nicht alles konsequent umgesetzt, was mir von meinem Therapeuten in den folgenden ambulanten Gesprächen, parallel zur Arbeitsaufnahme, geraten wurde. Ich hätte auch etwas Entscheidendes  an meinen Lebensbedingungen ändern müssen. Aber wie das so ist, man will die "gute" Arbeit um jeden Preis behalten, sich materiell absichern, sich später erst mit dem Partner etwas gönnen und nimmt dafür lieber eine totale Wochenendbeziehung in kauf. Peng, nächster Cardinalsfehler. Vor ca. einem Jahr wurde dann der Druck wieder zu groß. Mit dem Ergebnis eines herben Rückschlages und der dringlichen Notwendigkeit einer erneuten Behandlung. Dieses mal aber aus völlig eigenem Antrieb, wegen purer Verzweifelung und Ratlosigkeit. Es war hart an der Grenze des Erträglichen. HÄTTE ICH MIR WAHRLICH ERSPAREN KÖNNEN! Macht bloß nicht den gleichen Fehler.
Momentan habe ich einen Weg für mich finden können, den ich zur Zeit mit den notwendigen Behörden durchkämpfe und lernen muss, mit meinen Ängsten zu leben.

Wenn diese Zeilen anderen Betroffenen Mut machen, sich einer Therapie zu stellen, würde mich/uns das sehr freuen. Nehmt einfach Kontakt zu uns auf und lasst Euch von uns Mut für die Aufnahme eines schweren Kampfes machen. Ihr könntet sogar von unseren Erfahrungen profitieren.
Und haltet Euch ständig vor Augen, Therapie ist griechisch und bedeutet unter anderem "die Pflege der Kranken", Psychotherapie (auch griechisch) bedeutet "für die Seele sorgen". Das heißt aber nicht nur "Therapeut nun mach mal".
Ich zitiere hier einmal aus einem schlauen Buch von David Orlinsky und Kenneth I. Howard, aus einem Handbuch für Psychotherapie:

"Psychotherapie ist:

  1. eine Beziehung zwischen Personen; einerseits
  2. einem oder mehrer Individuen, die Hilfe dabei benötigen,
  3. ihr Funktionieren als Person zu verbessern, und anderseits
  4. einem oder mehreren Individuen, die diese spezielle Hilfe zur Verfügung stellen."

Wie Du das für Dich selbst hinbekommst, das musst Du für Dich austesten. Aber, nur den ganzen Tag berieseln lassen wollen und unkoopertives Verhalten an den Tag legen, bringt keine Fortschritte. Dann nimmst Du Dir nur selbst die Möglichkeit einer Besserung Deiner Leidenssituation und anderen eventuell den dringend ersehnten Theraphieplatz. Diese Plätze sind  zur Zeit sehr schlecht zu bekommen und Therapie bedeutet immer harte Arbeit für beide Seiten. Ich möchte hier aber auch niemanden bevormunden. Wenn das alles so einfach wäre, dann müssten für uns darüber nicht so den Kopf zerbrechen.

Den anderen Sonnis möchte ich sagen, ich habe in meinen bisherigen Therapien herausfinden können, wenn man sich den ganzen Mi*** von der Seele schreibt, das kann auch ganz schön befreien. Also, krempelt die Ärmel hoch.Wer sich noch nicht traut, hier seine Erfahrungen mitzuteilen, der beginnt vielleicht zu Hause ein Tagebuch zu schreiben? Versucht es einmal.

Jeder Beitrag kann den anderen helfen, nur Mut!

 

Gemeinsam können wir es schaffen.

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