( 10.01.2013)

 

 

Ich bin männlich Anfang 50 und habe mich in dem ersten Beitrag sofort wieder erkannt. Da ich es selber sehr hilfreich finde wenn andere betroffene von ihrem Krankheitsverlauf erzählen oder sogar darüber schreiben, habe ich mich entschlossen auch einen kurzen Bericht meines Krankheitsverlaufs zu erzählen.

 

Meine ersten Angstzustände bekam ich vor ca. 10 Jahren in Ungarn, wo wir Urlaub machten. Es war auf dem Weg vom Strand zu unserem Mietshaus. Da ich am Strand merkte, dass mir so komisch wird, sagte ich zu meiner Familie, dass ich schon mal zu unserem Mietshaus gehe.

 

Ich ging also los und es wurde mit jedem Schritt schlimmer, mein Herz raste meine Beine wackelten und meine Kraft ließ immer mehr nach und ich dachte das es jetzt vorbei ist.

 

Dieses Gefühl kann ich bis heute nicht richtig beschreiben.

 

Irgendwie habe ich es doch zum Haus geschafft und unsere Vermieterin sah sofort was los ist und holte sofort einen Notarzt der mir eine Spritze gab und noch paar andere Medikamente.

 

Ich war froh dass es nur noch 3 Tage bis zur Abreise waren, denn am nächsten Tag ging es wieder los.

Ich konnte mich nicht mehr vom Haus entfernen ohne das die Angst sofort wieder da war.

Na ja, so ging es dann immer weiter.

 

Zuhause angekommen freute ich mich alles geschafft zu haben, aber denkste, da ging es immer weiter und es kamen noch viele andere Situationen dazu die mir nie was ausgemacht haben. (Fahrstuhl fahren, einkaufen gehen, Kino, Zoo, oder mit meinen Freunden mit dem Boot zum angeln fahren und und und…….).

 

Da ich nicht mehr weiter wusste und ich dann auch noch eine schwere Depression bekam, ließ ich mich stationär aufnehmen.

 

Es half mir sehr gut und ich habe erst einmal erfahren, dass ich nicht alleine mit dieser Krankheit war.

Nach meiner Entlassung nach ca. 8 Wochen ging es mir ganz gut und ich dachte es geschafft zu haben, was ich aber schnell bemerkte, dass es nicht so war.

 

Ich habe versucht irgendwie damit zu leben und meine Arbeiten nach zu gehen.

Bis heute holen mich die Angst und Depressionen immer wieder ein.  Da mein Arbeitgeber auch sehr sozial war konnte ich trotz vieler Krankschreibungen meine Arbeit immer wieder nachgehen.

 

Nach langem zögern merkte ich das es nicht mehr geht und der Druck immer größer wurde. Im Sommer 2012 ging ich in die Tagesklinik nach Bad Doberan, was mich wieder auf den richtigen Weg brachte.

 

Zwar kämpfe ich  immer noch mit meinen Ängsten und Depressionen, aber durch die Mitgliedschaft in unserer Selbsthilfegruppe und die wöchentlichen Therapien in Gehlsdorf, habe ich den Kontakt mit gleichgesinnten gefunden, was mir sehr hilft.

 

Zum Schluss möchte ich nur sagen, ich werde es bestimmt nie ganz los werden, was aber nicht für andere betroffene zutreffen muss.

 

Meine Erfahrung ist, nicht so lange warten „wie ich“ und sich wegen der Krankheit nicht zu schämen „wie ich“ es getan habe.

 

Holt euch sofort Hilfe und sucht Kontakt zu betroffenen, denn darüber erzählen und sich aus zu tauschen, hat mir am besten geholfen.Auch wenn sich schon einige von der Familie abgewandt haben. Lasst den Kopf nicht hängen und sprecht das Thema einfach bei Gelegenheit in der Familie an.

 

Denn ein Gespräch ist immer besser als zu schweigen!!!!  „Ist meine Erfahrung“  nur Mut!   Es kann nur besser werden.

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