( 24.01.2013)

                                                                                             

 

Ich bin weiblich, traumatisiert auf Grund eines Gewaltverbrechens am Arbeitsplatz im September 2004. Vom Dezember 2004 bis April 2011 wurde ich psychologisch gut betreut und glaubte alles überwunden zu haben. Der Umgang der Behörden mit Gewaltopfern und weitere Schikanen.

 

Aber dem war nicht so. Nachdem die psychologische Betreuung durch mich abgebrochen wurde, weil- "ich bin jetzt geheilt, die Narben und Wunden auf der Seele werden zwar bleiben, aber damit kannst du umgehen." Ein fataler, folgenschwerer Irrtum. Ganz langsam, schleichend fast ging es mir immer schlechter. Ich bekam nichts mehr auf die Reihe. Schade geht nicht mehr weiter- Keine Ahnung, muss mich erkundigen. Hoffentlich ist dann nicht der Faden gerissen-

 

Es war letztendlich nicht so schlimm, wie es für mich war.

 

Ich sah nur noch Chaos, fing an mich zu verachten. Konzentrationsschwierigkeiten, Panikattacken, Gefühlsverlust, sonst immer nur auf Bekannte und Verwandte, drohte nun auch auf meine Familie überzugreifen.

 

Ich war nicht mehr gesellschaftsfähig. Fühlte und fühle mich oft deplaziert, nicht dazugehörig- Außenseiter.

 

Habe mich zu meinem persönlichen Befinden gar nicht mehr geäußert, eine perfekte Fassade aufgebaut.

 

„Wie geht`s? Gut!“, das war dann Standard.

 

Am liebsten hätte ich geschrien- lasst mich bloß in Ruhe. Ich befand mich immer in Phasen Isolation und Flucht. Entschuldigung, will euch nicht zutexten, aber wenn man erst anfängt.

 

Lange Rede kurzer Sinn. meiner Frauenärztin ist aufgefallen, dass es mir nicht gut geht. Ein ausführliches Gespräch, was heutzutage ja keine Selbstverständlickeit ist, schickte mich zum Psychiater. Sie hat dann alles in die Wege geleitet und ich wusste, dass ich professionelle Hilfe brauche.

 

Die Tagesklinik war sehr hilfreich und hat mich stabilisiert, aber auch die Erkenntnis gebracht, dass Isolation für mich das schlimmste ist, weil ich merke, dass ich schon wieder dabei bin, in alte Verhaltensmuster zu verfallen.

 

Aber ich bin auch dankbar, dass es die Selbsthilfegruppe gibt. Es ist klar, wir müssen viel lernen, jeder muss sich einbringen. Und ich wünsche mir wirklich, dass immer eine Gesprächsrunde unsere Treffen eröffnet. Gestern habe ich so vereinzelt mitbekommen, dass es mehreren nicht so gut ging, wie mir auch.

 

Ich bin jedoch optimistisch. Die Gruppe und morgen mein erster Termin beim Traumatherapeuten, sind hilfreich.

 

 

Aber das regelt natürlich nicht mein Seelenleben. Das meiste muss von mir kommen. Das wird und ist ein ständiger harter Kampf.

 

Die Gewissheit jedoch, dass man nicht allein ist, macht Mut.

 

In meinem Tagebuch lautet mein letzter Satz immer:

 

GELASSENHEIT SCHAFFT ABSTAND! Und sei gut zu Dir und nicht zu streng mit Dir.

 

 

 

 Ergänzung zu meinem Bericht vom 24.01.2013   (29.01.2013)

 

Also, ich habe einen Therapeuten aufgesucht, der es abgelehnt hat, meine Behandlung zum jetzigen Zeitpunkt zu übernehmen. Ich war total schockiert und befremdet. Aber er hat es mir erklärt und es leuchtet mir auch ein, na ja nicht ganz.

Ich will damit aber sagen, wieviel Kraft ich während meiner Zeit in der Tagesklinik gewonnen habe. Meine Therapie ist erst einmal ausgesetzt und soll zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden.

 

Diese Zeitspanne hoffe ich, mit der Selbsthilfegruppen, gut zu überstehen. Und so offen ich für den Aufenthalt in der Tagesklinik war, so offen bin ich für die Selbsthilfegruppe. Sie ist wichtig für mich und tut mir gut.

 

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